Mariengymnasium Papenburg in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück

Schülerinnen zu couragiertem Widerstand gegen Antisemitismus aufgerufen

„Man verdient nur Respekt, wenn man anderen Menschen mit Respekt begegnet.“ 
Antisemitismus-Beauftragter Klein und Bundestagsabgeordnete Connemann stellen sich den Fragen der Schülerinnen

Dr. Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und für den Kampf gegen Antisemitismus, besuchte auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann das Mariengymnasium. Gemeinsam mit der Kreistagsabgeordneten Ursula Mersmann sowie Heiner Buttke als Repräsentant des Papenburger Stadtrats stellten sich die Politiker den Fragen des Schülerinnen zum Thema „Kampf gegen Antisemitismus“.
Die Fachgruppe Politik/Geschichte hatte die Schülerinnen des 10. Jahrgangs im Unterricht sehr gut auf das Thema „Zusammen gegen Antisemitismus“ eingestellt und Fragen an die Politikerrunde vorbereitet. 

Klein, Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung seit 2018, forderte, jedem Menschen mit Respekt zu begegnen und gegen jede Art von Antisemitismus entschieden vorzugehen, auch in einem geschützten Raum wie der Schule. Er nannte als seine zukünftigen Aufgaben, ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Vorfälle einzurichten. Das müsse es auch in Schulen geben. Klein begründete seine Absicht damit, dass es für eine Schule dann keine offenen Fragen gebe, „dann muss sie solche Vorfälle anzeigen und dem nachgehen.“ In deutschen Schulbüchern müsse endlich auch ein positives Bild von den vielfältigen Leistungen jüdischer Mitbürger im Bereich von Wissenschaft, Kunst und Literatur gezeigt werden. Als Beispiel nannte Klein die bahnbrechenden Erkenntnisse des theoretischen Physikers  Albert Einstein.

Dass der Antisemitismus leider „zur DNA der Deutschen“ gehöre, gab Connemann den Schülerinnen im Rückblick auf die deutsche Geschichte zu bedenken und riet ihnen, mit den wenigen Überlebenden des Holocaust ins Gespräch zu kommen, um sich ein lebendiges Bild von den schrecklichen Folgen des Judenhasses zu machen. Sie nannte beispielhaft die in unserer Region lebenden Auschwitz-Überlebenden Erna de Vries und Albrecht Weinberg. Connemann beklagte den Anstieg an judenfeindlichen Meldungen in Berlin um 155 Prozent in den vergangenen Jahren. Im Vergleich dazu seien judenfeindliche Vorfälle in Niedersachsen eher gering.
Mersmann lobte die Schülerinnen für ihr Interesse am Thema und ihren Mut, sich gegen den Antisemitismus zu engagieren. Sie verwies auf eine Möglichkeit der Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries am kommenden Sonntag in der Gedenkstätte Esterwegen.

Der 1. stellvertretende Bürgermeister Heiner Butke erinnerte daran, dass die Nationalsozialisten nicht nur Juden verfolgt hätte, sondern auch Sinti und Roma, Homosexuelle und psychisch Kranke. Auch er mahnte die Schülerinnen, am Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus festzuhalten und in jedem Jahr am 9. November, der Reichspogromnacht, „Flagge zu zeigen“. 

 

Am Rande der Veranstaltung gab es für die Schülerinnen noch eine Besonderheit. Ein Kamerateam des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Phoenix war vor Ort und führte vor laufender Kamera ein Interview mit dem Antisemitismus-Beauftragen durch, wobei kurioserweise der Interviewte Dr. Klein die Fragen über einen „Knopf“ im Ohr aus der Sendezentrale gestellt bekam, so dass die Schülerinnen lediglich die Antworten Kleins hören konnten.